Baila! Kuba tanzt

Facebook

»Für uns ist tanzen wie sprechen. Wir werden schon tanzend geboren«
Eduardo Veitia, Direktor Ballet Espanol de Cuba

Mit einer Kernaussage, einer Lebensphilosophie beginnt diese Dokumentation über die Tanzkultur in Kuba. Drei tragende, inspirierende Säulen des Tanzes auf der Karibikinsel werden veranschaulicht:

Die klassichen spanischen Einflüsse
Die afro-kubanischen Wurzeln
Die lateinamerikanische Mentalität

Inzwischen ist aus den Säulen eine vielfältige Mischung erwachsen, immer neue Einflüsse finden ihren Platz. Und doch, fast alles basiert auf den genannten Ursprüngen.

Als der Maler Christian Sommer vor drei Jahren Kuba bereiste, suchte er nach Motiven abseits der gängigen Klischees. Eines fand er im »Gran Teatro«, dem Staatstheater. Er lernte die Primaballerina, Irene Rodriguez, kennen und malte sie in mehreren Variationen. Flamenco auf Kuba? Nicht nur für ihn ein neuer Aspekt. Die meisten Besucher der Insel, aber auch die Fernsehzuschauer, verbinden mit Kuba »heiße Rhythmen« und das Synonym ist weltberühmt. »Tropicana«. Da muss es mehr geben, was es wert ist, zu erzählen – so entstand eine Idee.

Im Februar 2008 traf er sich in Havanna mit dem dort lebenden Kameramann Jochen Beckmann und dem Fernsehjournalisten Jens Wohlrab. Die Idee nahm fortan Konturen an. Genehmigungsverfahren wurden geschultert, der Ansatz des Films von kubanischer Seite unterstützt. Vielfalt statt Einfalt, statt Postkarte mit Oldtimer und Zigarre.

Als erste ausländische Fernsehproduktion durfte das Team dann ohne Auflagen hinter die Kulissen des »Ballet Espanol de Cuba« schauen. Überall, zu jeder Zeit.

Die Dreharbeiten begannen Ende August, sollten Mitte September mit der Premiere von »Carmen« beendet sein. Ungewöhnliches gelang Die Kompanie tanzte, für Vor-und Abspann – so wie mit Enthusiasmus – am weltberühmten Malecon, in die Dämmerung.

Ungewöhnlich ebenso: ein Blick in das Herz des kubanischen Karnevals in Santiago de Cuba. Eine ganze Stadt lebt für diese Tage, für ihren Auftritt. Trotz fehlender Ressourcen, das Nachbarschaftsprinzip erschließt sich dem Zuschauer in Bildern und Interviews. Auch wenn einiges an den brasilianischen Karneval erinnert, so gibt es orginäre wie temporäre Unterschiede. Die Musik stammt ursprünglich aus dem Maghreb – einige Instrumente aus einem Lada und er findet mitten im Sommer statt.

Tanzgruppen gibt es natürlich viele in einem Land, in dem Tanz auch mit sozialem Aufstieg, mit Träumen verbunden wird. In »Baila!« wird der Alltag einer dieser Salsaformationen skizziert. Das Warten auf die Öffnung des Probenraumes, das Warten auf den Bus, das Warten auf den Erfolg … ? Tristesse und scheinbarer Glamour liegen hier dicht beieinander.

Die Dokumentation versucht, die Stränge zu verweben und zu verdichten. Sie ist sehr nah an den Personen, hier wird weder doziert noch plakativ präsentiert. Vieles erschließt sich durch die persönlichen Empfindungen der Protagonisten. Und die Bilder sprechen ohnehin für sich.

Ein Naturereignis der für Europäer besonderen Art schien dann das gesamte Projekt zu gefährden. Mitten in den Vorbereitungen zu »Carmen« einerseits, dem Auftritt der Samba-Gruppe in einer Ferienanlage andererseits, schlug der Hurrikan »Ike« mit aller Wucht zu. Nichts ging mehr. Die Dreharbeiten mussten auf Mitte November verschoben werden. Auch darüber, über den Wiederaufbau und den Eifer der Protagonisten zeugt »Baila!«

Es muss in diesem Zusammenhang darauf hin gewiesen werden, dass sowohl die kubanische Botschaft in Berlin als auch das internationale Pressezentrum in Havanna und die dort angeschlossenen Behörden Verständnis für die Situation des Teams gezeigt haben. Und – es gab keinerlei Auflagen, keinerlei Aufpasser. Die Dreharbeiten verliefen ungestört, von Einflussnahme kann demnach keine Rede sein. Auch das verdient der Erwähnung.

Aus mehr als 23 Stunden Material ist letztlich eine knapp einstündige Dokumentation entstanden. Über Menschen auf Kuba, die versuchen, ihren Traum zu leben. Ihren Traum vom Tanzen. Mit all` den Facetten, die es einzufangen galt. Und der Erkenntnis für uns Europäer: Kuba tanzt!

Media Produktion Broenner/Eberwein
Dez. 2008

Baila! Kuba tanzt
Länge: 86 min.
HDV Pal